Namensgebung 1965 u. Einweihung Ritter-Elbert-Schule 1966

„Ritter-Elbert-Schule“
Kampfabstimmung im Gemeinderat um neuen Schulnamen

HÖNNEPEL. Am Vorabend des Christi Him­melfahrtstages hielt der Gemeinderat unter Vor­sitz von Bürgermeister Wilhelm. Heinz im Lo­kale Karl Janßen eine öffentliche Sitzung ab. Schulfragen standen im Blickpunkt. Mit Span­nung warteten die Zuhörer auf den Beschluß über den Namen für die ihrer Vollendung ent­gegengehenden neuen katholischen Volksschule.

Vor kurzem erst hatten wir den Namen des Ritter Elbert ins Visier genommen, eines Man­nes, dem wohl die Selbständigkeit Hönnepels zu verdanke ist. Natürlich gibt es in Hönnepel auch viele Anhänger der heiligen Regenfledis, der Namenspatronin der katholischen Kirchen­gemeinde Hönnepels. Vorschläge und Abstim­mung brachten es ans Licht, wie hart um die Na­mensgebung gerungen wurde. Zwei Vorschläge, „Regenfledis“ und „Ritter Elbert“, standen an.
Zunächst wurde eine eingehende Aussprache über diese beiden Kandidaten geführt, bevor Bürgermeister Heins den Start zur Abstimmung freigab. Ganz knapp nur fiel mit 4:3 Stimmen das Ergebnis zugunsten des Ritters Elbert aus, dessen Namen nun künftig Hönnepels Schule tragen wird. Ohne Wappen darf die neue Schu­le ebenfalls nicht sein. Wegen der Gestaltung erhielten Hauptlehrer Völling und Architekt Biesemann den Auftrag, sich mit dem Künstler Brüx in Kleve in Verbindung zu setzen und ei­nen Entwurf ausarbeiten zu lassen.

Den Schulhof wird demnächst, wie auch an den anderen neuen Schulen im Amte Kalkar, ein geschmackvoller Trinkbrunnen zieren, für den der Architekt Biesemann einen Vorschlag der nächsten Sitzung vorlegt. Rheinische Post 31.5.1965


„Noch mal zur Schule gehen…“
Bei der Einweihung der neuen Volksschule
wurden selbst die Ehrengäste neidisch

Von unserem Redaktionsmitglied Aloys Puyn · Rheinische Post, 27.1.1966

HÖNNEPEL. „Wenn man diese freundlichen Räume sieht, möchte man am liebsten noch einmal zur Schule gehen!“ Es waren nicht wenige der Ehrengäste zur Einweihung der neuen Ritter-Elbert-Schule, die bei der Besichtigung des schönen Schulhauses in stiller Rückerinnerung an die dunklen Klassenzimmer ihrer Schulzeit diesen Stoßseufzer ausstießen.

Und bei dem Verlauf der Feierlichkeiten mag es ihnen erneut sehr deutlich zum Bewußtsein gekommen sein, wie sehr sich schulisches Leben in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. Sämtliche 84 Kinder der Hönnepeler Volksschule nahmen an der Feier teil, und jeder von ihnen hatte seine Rolle im Ablauf der Feierstunde. Da wurde musiziert und gesungen, wurden Spiele vorgeführt und Gedichte rezitiert, und auch der Gast spürte es deutlich: Hier ist eine Schule, in der musisches Tun ganz groß geschrieben wird.

Pastor Otto Breimann nahm die Weihehandlung vor

Erziehung für die Zukunft

Landrat Brock setzte sich in seiner Glückwunschansprache mit den Wandlungen erzieherischen Wirkens auseinander: „Mögen manche Eltern auch den neuen Lehrmethoden zunächst wenig Verständnis entgegenbringen können und die konservative Art des Unterrichtens für besser halten, sie sollten aber immer bedenken, daß die Kinder von heute für das Leben im Jahre 2000 erzogen werden müssen und daß Aufgaben auf sie warten, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Einer neuen Zeit entsprechen neue Lehrmethoden.“ Der Landrat ging in seiner Ansprache auf ein Spiel ein, das die Jungen und Mädchen vorgeführt hatten. „Die Schule sind wir“ hieß der Titel. Landrat Brock wertete dieses Thema als wertvollen Beitrag zur Erziehung zur Demokratie, in der ja auch der Grundsatz gilt „Der Staat sind wir“. Auf die geographische Lage des Ortes „zwischen zwei Brücken“ eingehend, appellierte der Redner an die Hönnepeler, trotz der Veränderungen, die diese verkehrsmäßige Erschließung des Raumes mit sich bringen werde, sich dafür einzusetzen, daß der Charakter des Landes und der Menschen erhalten bleibe.

„Lasset uns wahrhaftig sein“

Pastor Petersen gratulierte der Gemeinde Hönnepel im Namen der evangelischen Kirchengemeinde Hönnepel zur neuen Schule und gab den in ihr Lehrenden und Lernenden als Wunsch die Jahreslesung mit auf den Weg: „Lasset uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen an dem, der das Haupt ist: Christus.“

Pastor Breimann, der des Morgens nach dem Festhochamt die kirchliche Weihe vollzogen und die Kreuze in die Klassenräume getragen hatte, stellte in den Mittelpunkt seiner Ansprache den großen Wert eines guten Zusammenwirkens zwischen Schule, Elternschaft und Kirche.

Amtsbürgermeister Kuypers überbrachte Grüße und Geschenk des Amtes Kalkar und gab seiner Zuversicht Ausdruck, daß die neue Schule dazu beitragen werde, lebenstüchtige junge Menschen zu formen. Für die Schulpflegschaft dankte Johannes Seegers allen, die am Zustandekommen des Werkes ihren Anteil geleistet haben. „Möge diese Schule den hohen Ansprüchen der neuen Zeit stets gerecht werden“, schloß er seine Ausführungen.

Schulrat Gramm konnte an der Feierstunde nicht teilnehmen. Schulleiter Hauptlehrer Völling verlas ein Schreiben des Schulrats, der den Hönnepeler Lehrern und Kindern zum Einweihungstag seine guten Wünsche übermittelte.

Alle Redner gedachten mit besonderer Dankbarkeit des verstorbenen ehemaligen Bürgermeisters Heins, unter dessen Amtszeit der Entschluß für den Schulneubau gefallen ist und der sich bis zu seinem Tode mit Überzeugung der großen Aufgabe angenommen hatte. Daß er die Vollendung des Werkes nicht mehr miterleben konnte, sei von besonderer Tragik.

Sie waren voll des Lobes

An der Feierstunde nahmen neben der Hönnepeler Kinderschar und den Vertretern der Eltern auch der gesamte Gemeinderat, die am Bau beteiligten Handwerker und Vertreter der Amtsverwaltung teil. Sie alle hatte Bürgermeister Dörning zu Beginn der harmonischen Feier willkommen geheißen. Besonders herzlich begrüßte er den Architekten des Schulneubaus, Heinz Biesemann, Amtsdirektor Schild und die lange Jahre an der Hönnepeler Schule wirkende, nun im Ruhestand lebende Lehrerin Fräulein Weilbecher. Architekt Biesemann, der vor Beginn der Feier Hauptlehrer Völling die Schlüssel zum Neubau übergeben hatte, bedankte sich für das Vertrauen, das der Rat ihm durch die Betrauung mit der Aufgabe der Planung bewiesen hatte, und rühmte das gute Einverständnis miteinander und die saubere handwerkliche Arbeit der Handwerkbetriebe.

Diese Arbeit und die gelungene Planung hatten die Teilnehmer an der Feier zuvor ausgiebig betrachten können. Sie waren alle des Lobes voll. Die Damen konnten sich nicht sattsehen an der modernen Lehrküche, die Herren der Schöpfung zeigten besonderes Interesse für den Werkraum, das Fotolabor und die Technik. Im Schulflur lag unterdessen die Chronik aus, in der der Fortgang des Neubaus präzisen Niederschlag gefunden hatte und die jetzt als Gästebuch zum Einweihungstag diente und die Unterschriften aller Festteilnehmer aufnahm.

Mit Lust und Liebe bei der Sache

Schon seit dem Beginn des Unterrichts nach den Weihnachtsferien erfüllen die Hönnepeler Kinder das neue Schulhaus mit Leben. Welchem Leben, davon gab die Feierstunde einen kleinen Einblick. Blockflötenvorträge, Stücke für das Orffsche Instrumentarium, eine Akkordeongruppe und ein Schulchor, der sich hören lassen konnte, zeugten für die Freude am Musizieren, die in Hönnepel gepflegt wird. Mit Lust und Liebe waren die Kleinsten bei ihrem prächtigen Spiel „Frau Susewitt“ und die „Großen“ bei ihren Gedichtvorträgen. In allen Darbietungen aber klang der Dank auf, der in erster Linie Gott gebührt, der das neue Werk segnete. So mischten sich dann beim Abschlußlied „Nun danket all und bringet Ehr“ in die hellen Stimmen der Kinder die Bässe der Ratsmitglieder und Handwerker, deren Arbeit nun getan ist. Daß sie sie gut gemacht haben, davon können sich die Hönnepeler am Sonntag selbst überzeugen. Nach dem Hochamt bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr ist die Schule zur Besichtigung für alle geöffnet.

„Frau Susewitt“ hieß das nette Spiel, das die Kleinsten als ihren Beitrag zur Feier lieferten. Hühnchen, Hähnchen, Hündchen und Kätzchen (vorne im Bild) wünschten sich ebenso dringend ein neues Haus wie die Hönnepeler Kinder ihre neue Schule. Daß ihr Wunsch erfüllt wurde, zeigt das aus Jungen und Mädchen gebaute Haus auf dem Podest. Frau Peters (Hintergrund) übte das Spiel mit den Kleinen ein.

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