Kalkar: "Ein schönes Städtchen -wohnen möchte ich da nicht!"

Kabarettist Ludger Kazmierczak präsentierte in Kalkar sein "Best of Niederrhein"

KALKAR. Wenn mir vor einem halben Jahr jemand gesagt hätte, dasss ich ich Oktober auf der größten, schönsten und bekanntesten Kleinkunstbühne von ganz Kalkar stehe, dann hätte ich gesagt: Wie spät soll ich da sein?" Ludger Kazmierczak, WDR-Korrespondent für Kleve und die Niederlande stapelte tief, als er jetzt sein erstes Gastspiel in Kalkar gab.
 Immerhin stellte der "Freizeitkabarettist" im PZ des Schulzentrums seinen neuen persönlichen Zuschauerrekord auf: "500! So viele Einwohner hat ganz Kehrum, und da sind Kühe und Haustiere schon mit eingerechnet." Kalkar gönnte sich den Kabarettabend "Best of Niederrhein" zum 775. Geburtstag der Stadt. 
Da lobte Kazmierczak umso mehr den Kalkarer Veranstaltungsreigen im Jubiläumsjahr, wo doch die gleichalte Stadt Kleve als "Höhepunkt" gerade mal einen verkaufsoffenen Sonntag anbot. Vielleicht war auch diese Ernüchterung ein Grund für Kazmierczak, im vierten Jahr seines Kleinkunstschaffens den ständig ausverkauften Klever Aussichtsturm zu verlassen und den Rest der niederrheinischen Welt zu erobern. "Ich war noch nie in Bedburg-Hau, in Wissel kennt mich keine Sau", sang Kazmierczak in Anlehnung an Udo Jürgens' "Ich war noch niemals in New York". 
Kleve und Kalkar verbinde jede Menge, betonte der gebürtige Nütterdener, "zum Beispiel die B 57." Doch im Vergleich zur Stadt Kleve sei Kalkar "straff und gut organisiert - wie ein gut aufgestelltes Finanzamt, nur ohne Geld."

Anders als in Kranenburg und Goch, wo Ludger Kazmierczak "nur des Geldes wegen" aufgetreten sei, war ihm der Abend in Kalkar eine Herzensangelegenheit. Denn seine Oma Anneliese wohnt in "der heimlichen Hauptstadt Kalkars", in Hönnepel
Die 90-jährige Polo-Fahrerin hatte einen Ehrenplatz in der ersten Reihe des PZ und verfolgte stolz die Erzählungen ihres Enkels. Der erzählte, wie er in den 70er Jahren bei den Großeltern schlief und aus dem Fenster schaute, wenn bei Flutlicht eine riesige Baustelle am Rhein entstand: Er habe aber nie verstanden, warum 40.000 Demonstranten kamen und die Stimmung hochkochte - "alles nur wegen eines Freizeitparks!" 
Heute würden die Klever gern nach Kalkar fahren, um dort am Markt Essen zu gehen. Nach dem Besuch der "Kantine" komme es dann meist zur Feststellung: "Kalkar ist ein richtig schönes Städtchen - aber wohnen wollte ich da nicht." 
Genüsslich sezierte Kazmierczak die sprachlichen Eigenheiten des niederrheinischen Regiolekts: "Die Franken brachten uns die Wörter, wir füllten sie mit Inhalt." Für Sprachforscher sei "der Niederrhein ein Phantasialand", die Grammatik sei dort "keine Pflicht, sondern ein Angebot".
 Auch die niederländischen Nachbarn bekamen ihr Fett weg: Deren Sprache gleiche einer Kehlkopferkrankung und müsse beim Kaassoufflle` entstanden sein, bei dem die Snacks außen schnell abkühlen, aber innen noch drei Tage lang eine Mindesttemperatur von 450 Grad Celsius behalten. 
Das Kalkarer Publikum dankte Ludger Kazmierczak mit höchst verdienten Applaussalven und sprach dem Künstler das größte Kompliment aus, zu dem der Niederrheiner laut Kazmierczak fähig ist: "Et ging!" Im niederrheinischen  Plusquamperfekt könnte man aber auch sagen: "Et war richtig schön gewesen."

Michael Scholten Niederrhein Nachrichten 25.10.2017