Josefa Langenberg tritt nach 32 Jahren als Küsterin ab

 So etwas gibt es nur in einem gut funktionierenden 558-Seelen-Dorf am Niederrhein: Pensionär Alfons Wiegers leitet am Ende der Messe erwartungsvoll zur Verabschiedung über.
 Vom Gemeindeausschuss beauftragt berichtet Norbert van de Sand in einer launigen Ansprache von den vielen verschiedenen Berufen einer Küsterin, errechnet weit über 25.000 angezündete Kerzen und zählt detailliert die sechs verschiedenen Pfarrertypen während einer 32jährigen Amtszeit auf. Der vor fünf Jahren verabschiedete, extra angereiste Pastor Barthel Kalscheur berichtet, wie er nach einem spektakulären Glatteisunfall liebevoll betreut, aber von den Gottesdienstbesucherinnen wieder vom Altar weggeschickt wurde.
Zwölf Messdiener stehen am Altar: Die Messdienerleiterinnen haben klassisch ein dickes Fotoalbum mit Sternsinger-, Oster-und Sakristeierlebnissen zusammengestellt, in dem nachher die Eltern angesichts ihrer lieben „Kleinen“ interessiert blättern.
 Der Pastor Alois van Doornick verabschiedet Josefa Langenberg als Pfarrbürokraft und Küsterin mit einem Geschenk des Kirchenvorstandes und einer Fotoserie der Kunstschätze in St. Regenfledis und bedankt sich für die akkurate Pflege des Gotteshauses, den fröhlichen Umgang mit den Menschen und den täglichen Einsatz.
Der Ortsausschuss überreicht eine dicke, eigens mit Foto gestaltete Kerze und organisiert eine Kirchplatzparty mit Häppchen und Getränken. Der Kalkarer Küster besucht mit seiner Frau die letzte Messe seiner Kollegin. Die Pfarrsekretärin schreibt ein zweiseitiges Gedicht zum Dank. Das Tambourkorps überrascht die Hausherrin mit einem Ständchen vor der Kirche …

In ihren Dankesworten traf Josefa Langenberg es auf den Punkt: Der Dienst im Gotteshaus und für die Gemeinde hat ihr selbst gut getan in den Höhen und Tiefen der letzten 32 Jahre. Dabei war es ihr Mann, heute sorgsamer Kirchenvorsteher und ideenreicher „Hausmeister“ von St. Regenfledis, der spontan dem damaligen Pastor eine Zusage machte auf die Frage, ob sich die Beiden den Küsterdienst vorstellen könnten, wo sie ja nun schon mal in der Küsterwohnung eingezogen waren.

Es wurde fast 22.00 Uhr, als die letzten Gemeindemitglieder den Kirchplatz nach einer gemütlichen Stehtischrunde an einem lauen Sommerabend verließen.
 In St. Regenfledis wird es künftig kein Pfarrbüro mehr geben. Die Kirchbesucher können die Intentionen künftig in der Bücherei oder in der Sakristei abgeben. Das Wisseler Gemeindebüro von St. Clemens an der Dorfstraße 19, Tel. 6587, steht zu den Öffnungszeiten zur Verfügung.
Frau Andrea Deckers, Katechetin und Mutter von vier Messdienern, wird mit ihrem Mann zusammen am 1. Juni den Dienst für St. Regenfledis aufnehmen. Viel Respekt und Anerkennung äußerten die Kirchbesucher in den persönlichen Gesprächen und dankten Josefa Langenberg sehr dafür, dass sie in 32 Jahren mehr als nur ihre Zeit für die Gemeinde eingesetzt hat. AvD

 

 

 Das Tambourcorps überraschte die langjährige Küsterin mit einem Ständchen